• Der Überspielpegel (lauter oder leiser Schnitt) bestimmt, mit welcher Intensität die in den Schallplatten-Rohling geschnittene Rille durch das Tonsignal moduliert wird (der Schneidstichel bewegt sich sowohl horizontal als auch vertikal) und damit welcher Pegel bei der Wiedergabe im Abtastsystem erzeugt wird. Ein hoher Überspielpegel optimiert das Verhältnis zwischen Nutzsignal und Störsignalen wie Rumpeln, Rauschen und Knistern, erhöht aber auch die Gefahr von Verzerrungen. Außerdem beansprucht eine stärker modulierte Rille mehr Platz auf der Schallplatte und daher steht weniger Spielzeit zur Verfügung. Ein niedriger Überspielpegel erlaubt also längere Spielzeiten, verringert die Gefahr von Abtastverzerrungen, verschlechtert aber auch das Stör- /Nutzsignalverhältnis. Der Wert des Überspielpegels bezieht sich immer auf die Pegelspitzen des Tonmaterials. Der max. mögliche Überspielpegel hängt auch stark vom Musikmaterial ab; starkes Limiting, Clipping und unausgewogene Frequenzgänge erlauben es dem Cutter im Regelfall nicht hier optimal aus zusteuern. Allgemein gilt es für den Cutter immer den jeweils passenden Kompromiss zu finden. Unsere Zeitangaben zu den jeweiligen Schallplattengrößen bezieht sich immer auf einen möglichst hohen Überspielpegel und den max. möglichen Frequenzumfang (suboptimal gemastertes Material kann auch auf einer 12″ Maxi nicht mit Maximalpegel geschnitten werden). Der letztendlich erzeugte Pegel einer Schallplatte ist immer auch abhängig vom Abspielgerät (Tonabnehmer und Phono-Vorverstärker), weshalb hier keine allgemeingültigen Angaben sinnvoll sind.
  • Folgende maximale Spielzeiten sind für die verschiedenen Schallplattenformate und Anwendungen empfohlen: bei 12“ bis 10 Minuten bei 45 upm (Umdrehungen pro Minute) und bis 15 Minuten bei 33 upm. Bei 7“ bis 4 Minuten bei 45 upm und bis 6 Minuten bei 33 upm. Diese Angaben können nur allgemeine Richtwerte sein, da der Überspielpegel eine ebenfalls wichtige Rolle spielt bei der Berechnung der optimalen Spielzeit. Längere Spielzeiten erfordern eine Verringerung des Überspielpegels und/oder eventuell Eingriffe in die Eigenschaften des Audiomaterials (Basscut). Je nach Art des zu überspielenden Audiomaterials können verschiedene Format/Drehzahl-Kombinationen sinnvoll sein.
  • Im Regelfall klingt die 45er Geschwindigkeit präziser und originalgetreuer, während 33,3 upm für eine weichere und wärmere (weniger Höhen, mehr Verzerrungen) Wiedergabe sorgt. Je größer die Fläche der Rillenflanke auf ein bestimmtes Zeitfenster bezogen (bei 45 steht mehr Rillenflanke pro Minute zur Verfügung als bei 33,3), desto mehr Informationen können dort „gespeichert“ werden. Das ist auch der Grund warum Verzerrungen und Höhenverlust zunehmen, je weiter man sich dem inneren Radius einer Schallplatte nähert (je kleiner der Radius, desto kleiner der „Speicherplatz“). Material auf dem inneren Radius wird daher immer qualitativ schlechter klingen als das auf dem äußeren Radius. Eine ruhige, leicht bedeckt klingende Ballade ist am Ende einer Seite oft besser aufgehoben als ein Musikstück mit vielen feinen Höhen. Von der Kombination 7″ und 33,3 upm ist aus diesen Gründen eher abzuraten.

Eine gut klingende Schallplatte ist also neben der optimalen Vorbereitung des Audio-Materials (Mastering) und einer gut eingestellten Schneide-Maschine das Ergebnis des möglichst geschickt gewählten Kompromisses aus Abspielgeschwindigkeit, Spielzeit und Pegel. Auch die Reihenfolge der Songs eines Albums sollte daher mit Bedacht gewählt werden. Im Zuge eines Mastering-Auftrags stehen wir hier natürlich mit unserer Expertise beratend zur Seite.